Geschichte der Sorraia Pferde - portugiesische Vorfahren nordamerikanischer Mustangs

 

Sie waren dabei, als Portugiesen und Spanier die „Neue Welt“ entdeckten und eroberten. Auf den Schiffen Vasco da Gamas und Kolumbus‘, auf rutschigen Planken im Lager unter der Kajüte Álvares Cabrals und Magalhães‘ gehörten sie zu den ersten Landtieren, die auf dem Seeweg die Welt umrundeten. Sie sind die Urväter nordamerikanischer Mustangs. Auf ihrem Rücken ritt Heinrich der Seefahrer vom Hafen bei Sagres zu den heilenden Quellen in den algarvianischen Bergen. Heute sind sie vergessen und fast ausgestorben: Die Sorraia Pferde, die letzte noch lebende Wildpferd-Rasse Europas.

Erst vor rund einem Jahrhundert sind die letzten dieser Urpferde in Portugal wiederentdeckt worden. 1927 entdeckte der Großgrundbesitzer Dr. Ruy D´Andrade im Gebiet des Flusses Sôr (etwa in Höhe Lissabon) eine Herde wildlebender Pferde.

Dr. Michael Schäfer – ein namhafter deutscher Tierarzt, Forscher & Buchautor, der im Jahr 2001 verstarb – und seine Frau haben 1975 eine kleine Herde Sorraias unter schwersten Bedingungen nach Deutschland gebracht.
Nach der portugiesischen Revolution vor 30 Jahren (Nelkenrevolution) begann Dr. Michael Schäfer mit der Züchtung seiner aus Portugal mitgebrachten Sorraias. Sie ist in Europa die wertvollste Zucht dieser Rasse. Die meisten in Deutschland gezüchteten Sorraias stammen aus der Schäfer-Herde.

In ganz Deutschland gibt es zurzeit ca. 60 reinrassige Sorraia-Pferde. Leider hat sich bis heute in Europa keine Organisation wirkungsvoll für den Schutz der Sorraias eingesetzt. 

In Portugal gibt es einige Züchter, die noch Original Sorraia Pferde halten und züchten. Meistens leben diese Pferde halbwild in der portugiesischen Steppe - nur wenige werden als Reitpferde eingesetzt. Auch das staatliche Gestüt Portugals besitzt einige Sorraias; nennenswerte Bemühungen für den Erhalt der Rasse sind jedoch nicht bekannt.

Zurzeit gibt es weltweit noch ca. 150 bis 180 Sorraia-Pferde, davon nur wenige in ihrem angestammten Raum, der iberischen Halbinsel. In Deutschland gibt es rund 60 Sorraias, von denen bereits einige in die USA verkauft wurden.

US-Amerikaner wollen derzeit mit diesen Tieren das Blut ihrer Mustangs (Spanish Mustangs) "auffrischen“, denn diese sind direkte Nachfahren der Sorraias.